4 Wege zu einer nachhaltigeren Lebensmittelverarbeitung

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From Farm to Fork: 4 Wege zu einer nachhaltigeren Lebensmittelverarbeitung

Aug.. 10 2020

Nachhaltige Nahrungsmittelproduktion für eine wachsende Weltbevölkerung

Um die Ernährungsbedürfnisse einer globalen Bevölkerung zu erfüllen, die bis 2050 voraussichtlich auf 9,1 Milliarden Menschen wachsen wird, muss die Nahrungsmittelproduktion um mindestens 70% gesteigert werden1. Die dafür erforderlichen natürlichen Ressourcen sind jedoch begrenzt und stehen unter zunehmendem Nutzungsdruck.

Akteure aus der gesamten Lebensmittelindustrie stellen sich dieser Herausforderung und suchen nach innovativen Wegen, um die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion zu minimieren und die Fähigkeit des Planeten zu unterstützen, auch in ferner Zukunft Lebensmittel zu produzieren.

Nachhaltige Nahrungsmittelproduktion endet nicht mit der Primärproduktion (d.h. der Landwirtschaft). Die Akteure der Lebensmittelindustrie richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf die Auswirkungen der Lebensmittelverarbeitung und -herstellung. Die Förderung nachhaltiger Lebensmittelverarbeitung und -herstellung ist eines der Hauptziele der neuen "From Farm to Fork"-Strategie der EU, einer kennzeichnenden Initiative des neuen Europäischen Green Deals.

Es gibt vier Möglichkeiten, wie Lebensmittelverarbeiter und -hersteller ihren ökologischen Fussabdruck reduzieren können.

1. UMWELTFREUNDLICHE VERPACKUNG VERWENDEN

Lebensmittelverpackungen sind eine Hauptquelle für Abfall und Umweltverschmutzung. Jährlich werden über 78 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen hergestellt - nur 14% davon werden recycelt2. Die überwiegende Mehrheit der Kunststoffe wird aus nicht erneuerbaren Quellen - entweder Erdöl oder Erdgas - hergestellt und landet letztendlich auf einer Deponie.

Eine wachsende Zahl von Herstellern entscheidet sich für Alternativen auf Holz- und Papierbasis. Holz und Papier haben den Vorteil, dass sie biologisch abbaubar, erneuerbar und leicht recycelbar sind. Es ist jedoch entscheidend, dass das Papier und das Holz, aus dem die Verpackungen hergestellt werden, aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Andere Hersteller entwickeln innovative alternative Verpackungen aus biologisch abbaubaren Materialien wie Seetang, Getreide und sogar Fischhaut. Einige dieser neuen Alternativen haben das Potenzial, Einwegkunststoffe zu ersetzen.

Wenn es um Lebensmittelverpackungen aus Metall geht, ist nachhaltig beschafftes Aluminium eine der umweltverantwortlichsten Entscheidungen. Aluminium ist eines der am leichtesten und am häufigsten recycelten Metalle - der Recyclingprozess benötigt nur 5% der Energie, die zur Herstellung von neuem Aluminium benötigt wird3.

2. LEBENSMITTELABFÄLLE REDUZIEREN

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird jedes Jahr fast ein Drittel der für den menschlichen Verzehr produzierten Lebensmittel verschwendet4. Dies entspricht jährlich 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmittelabfällen. Dies ist nicht nur ein grosser Verlust an Nahrungsmitteln an sich, sondern auch an den Ressourcen, die zu ihrer Herstellung verwendet wurden (d.h. Wasser, Bodennährstoffe, Transportenergie, Arbeit). Während auf der einen Seite etwa ein Drittel dieser Nahrungsmittel während der Ernte und der Handhabung nach der Ernte sowie ein weiteres Fünftel von den Endverbrauchern verschwendet werden, stammt auf der anderen Seite fast die Hälfte aller Nahrungsmittelabfälle aus der Verarbeitung und Herstellung.5

Eine der Hauptursachen für Lebensmittelabfälle bei der Verarbeitung und Herstellung ist Ineffizienz6. Lebensmittelhersteller und -verarbeiter können Lebensmittelabfälle durch die Optimierung ihrer Prozesse und Managementsysteme erheblich reduzieren. Dies beginnt mit der sorgfältigen Messung von Lebensmittelverlusten und der Ermittlung ihrer Ursachen. Es bedeutet auch sicherzustellen, dass das Personal entsprechend geschult ist.

Die EU hat sich verpflichtet, die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren: Mit Hilfe einer neuen Methodik zur Messung von Lebensmittelabfällen und Daten aus den Mitgliedsstaaten plant sie, rechtlich verbindliche Ziele zur Reduzierung der Abfälle im gesamten Binnenmarkt festzulegen.

3. VERBESSERUNG DER ENERGIE- UND WASSEREFFIZIENZ

Lebensmittelverarbeitung und -herstellung sind sowohl energie- als auch wasserintensiv. Wasser wird in grossem Umfang bei der Lebensmittelverarbeitung verwendet, sowohl als Zutat als auch in verschiedenen industriellen Prozessen (z.B. Reinigen, Desinfizieren, Kühlen, Kochen).

Die Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs kann im Bereich der Lebensmittelverarbeitung und -herstellung eine besondere Herausforderung darstellen - Produktionsanforderungen und Sicherheitsanforderungen müssen an erster Stelle stehen. Dennoch können erhebliche Verbesserungen erzielt werden, wenn Möglichkeiten für mehr Effizienz gefunden werden. Der Einsatz intelligenter Zähler und die Einführung von Systemen für Energieeffizienz und nachhaltiges Wassermanagement können zum Beispiel dazu beitragen, diese Chancen zu erkennen und zu nutzen.

4. VERWENDUNG NACHHALTIGER INHALTSSTOFFE

Es gibt vor allem eine Reihe von Agrarrohstoffen, deren Produktion Bedenken hinsichtlich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit aufwirft. Der Anbau von "schmutzigem" Palmöl, Kakao und Kaffee zum Beispiel wurde unter anderem mit Waldrodung, Zerstörung von Lebensräumen sowie Kinder- und Zwangsarbeit in Verbindung gebracht.

Fischprodukte sind ein weiterer Bereich, der Anlass zur Sorge gibt – Fast 90% der weltweiten Fischbestände sind entweder vollkommen ausgebeutet, überfischt oder ausgeschöpft.7  Überfischung und destruktive Fangmethoden bedrohen Fischpopulationen auf der ganzen Welt, schädigen empfindliche marine Lebensräume und Ökosysteme und gefährden die Lebensgrundlagen der lokalen Gemeinschaften, die von diesen Fischbeständen abhängig sind.

Lebensmittelverarbeiter und -hersteller können gegen diese und andere schädliche landwirtschaftliche Praktiken vorgehen, indem sie dafür sorgen, dass sie "risikoreiche" Zutaten verantwortungsvoll beschaffen. Programme wie RSPO (Roundtable for sustainable palm oil), RTRS (Round Table on Responsible Soy) und UTZ / Rainforest Alliance (für Kaffee, Kakao, Tee und Haselnüsse) legen strenge Standards fest, um sicherzustellen, dass bestimmte Nutzpflanzen ohne unzumutbare Schäden für die Umwelt oder die lokalen Gemeinschaften produziert werden. Der Marine Stewardship Council (MSC) setzt Standards, um zur Erhaltung gesunder Fischbestände und zum Schutz des maritimen Lebens beizutragen.

ERREICHEN VON NACHHALTIGKEIT DURCH AUDITIERUNG, ZERTIFIZIERUNG UND Training

Im Rahmen des Circular+ Programms bietet Bureau Veritas eine umfassende Palette von Auditierungs-, Zertifizierungs- und Schulungsdienstleistungen an, die Lebensmittelverarbeiter und -hersteller in die Lage versetzen, ihre ökologischen und sozialen Belastungen zu reduzieren.

Erfahren Sie mehr über die Zertifizierungs- und Inspektionsdienstleistungen von Bureau Veritas für die Lebensmittelindustrie: