WIE DIE EU-RICHTLINIE 2023/1791 DIE ANFORDERUNGEN AN DIE ENERGIEEFFIZIENZ VERSCHÄRFT
Die EU-Richtlinie 2023/1791 über Energieeffizienz ist ein zentraler Bestandteil des Ansatzes der Europäischen Union zur Förderung der Energiewende und Dekarbonisierung. Indem sie die Energieeffizienz zu einem zentralen Grundsatz der EU-Energiepolitik macht, stärkt die Richtlinie deren Rolle bei der Erreichung der langfristigen Klima- und Energieziele Europas.
Zur Unterstützung dieser Ziele werden Verbesserungen der Energieeffizienz in allen Wirtschaftssektoren angestrebt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Beseitigung von Hindernissen im Zusammenhang mit Energieerzeugung, -übertragung, -speicherung und -verbrauch liegt. Die Richtlinie legt zudem indikative nationale Energieeffizienzbeiträge fest, die die Mitgliedstaaten bis 2030 erreichen sollen.
In diesem Rahmen wird die ISO 50001-Zertifizierung als international etablierter Ansatz für Organisationen anerkannt, die ihre Energieeffizienz steuern, überwachen und verbessern möchten.
Insbesondere definiert Artikel 11 spezifische Anforderungen an Energiemanagementsysteme und Energieaudits und legt je nach Energieverbrauch einer Organisation unterschiedliche Verpflichtungen fest.
WELCHE ENERGIEEFFIZIENZANFORDERUNGEN GELTEN FÜR UNTERNEHMEN?
Die in der Richtlinie festgelegten Verpflichtungen unterscheiden sich je nach durchschnittlichem jährlichem Energieverbrauch eines Unternehmens. Abhängig vom jeweiligen Schwellenwert können Organisationen verpflichtet sein, ein Energiemanagementsystem einzuführen oder regelmässige Energieaudits durchzuführen.
WELCHE UNTERNEHMEN MÜSSEN EIN ENERGIEMANAGEMENTSYSTEM NACH ISO 50001 EINFÜHREN?
Organisationen mit einem durchschnittlichen jährlichen Energieverbrauch von mehr als 85 TJ in den vorangegangenen drei Jahren sind verpflichtet, ein Energiemanagementsystem einzuführen, das der EN ISO 50001 entspricht.
Das System muss innerhalb von vier Jahren nach Inkrafttreten der Richtlinie und somit spätestens bis zum 11. Oktober 2027 eingeführt werden.
Darüber hinaus muss das Energiemanagementsystem von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle zertifiziert werden, die gemäss den einschlägigen europäischen oder internationalen Normen tätig ist.
ENERGIEAUDITS: WAS SIND SIE UND WARUM SIND SIE WICHTIG?
Ein Energieaudit bietet eine strukturierte und detaillierte Bewertung der Energienutzung in Gebäuden, Gebäudegruppen, Industrieanlagen, gewerblichen Betrieben, Anlagen sowie öffentlichen oder privaten Dienstleistungen.
Ziel ist es, Möglichkeiten für kosteneffiziente Energieeinsparungen zu ermitteln und zu quantifizieren und gleichzeitig potenzielle Optionen für die effiziente Nutzung oder Erzeugung von erneuerbarer Energie zu bewerten. Das Auditverfahren muss zu dokumentierten Ergebnissen und Empfehlungen führen, die auf der durchgeführten Analyse basieren.
WER MUSS EIN ENERGIEAUDIT DURCHFÜHREN UND BIS WANN?
Unternehmen, deren durchschnittlicher jährlicher Energieverbrauch in den vorangegangenen drei Jahren 10 TJ übersteigt und die über kein Energiemanagementsystem verfügen, müssen bis zum 11. Oktober 2026 ein Energieaudit durchführen.
Nach Abschluss des Audits sind die Organisationen verpflichtet, einen Aktionsplan zu erstellen, in dem erläutert wird, wie sie die identifizierten Empfehlungen umsetzen wollen, sofern deren Umsetzung technisch und wirtschaftlich machbar ist. Die Energieeffizienz muss auch im Laufe der Zeit weiterhin bewertet werden. Aus diesem Grund müssen Energieaudits mindestens alle vier Jahre wiederholt werden.
Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten zudem dazu, transparente und diskriminierungsfreie Kriterien für Energieaudits festzulegen. Diese Kriterien müssen die in Anhang VI festgelegten Anforderungen berücksichtigen und mit den geltenden europäischen oder internationalen Normen im Einklang stehen.
WIE UNTERSTÜTZT DIE RICHTLINIE DIE ENERGIEEFFIZIENZ IN KMU?
Die Richtlinie berücksichtigt auch kleine und mittlere Unternehmen, die nicht den verpflichtenden Anforderungen für Energieaudits unterliegen.
Um eine breitere Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen zu fördern, müssen die Mitgliedstaaten Unterstützungsinitiativen für KMU einrichten. Diese Programme sollen freiwillige Energieaudits fördern und die Umsetzung der dabei ermittelten Energiesparmassnahmen erleichtern.
WIE FUNKTIONIERT EIN ENERGIELEISTUNGSVERTRAG?
Ein Energieleistungsvertrag (EPC) ist eine Vereinbarung zwischen einem Begünstigten und einem Anbieter, der für die Umsetzung von Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz verantwortlich ist.
Die erzielte Energieeffizienz wird während der gesamten Vertragslaufzeit überwacht und überprüft. Die Vergütung für die ausgeführten Arbeiten, gelieferten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen ist entweder an die zwischen den Parteien vereinbarte Verbesserung der Energieeffizienz oder an einen anderen vorab festgelegten Leistungsindikator, wie beispielsweise die erzielten finanziellen Einsparungen, gekoppelt.
WANN GELTEN AUSNAHMEN VON DEN ANFORDERUNGEN AN ENERGIEMANAGEMENT UND ENERGIEAUDITS?
Organisationen, die im Rahmen eines Energieleistungsvertrags (EPC) tätig sind, können von den Anforderungen an Energiemanagementsysteme und Energieaudits befreit werden, sofern der Vertrag die erforderlichen Elemente eines Energiemanagementsystems umfasst und Anhang XV der Richtlinie entspricht.
Eine Ausnahme gilt auch für Organisationen mit einem zertifizierten Umweltmanagementsystem, sofern dieses System ein Energieaudit umfasst, das gemäss den in der Richtlinie festgelegten Anforderungen durchgeführt wurde.
Insgesamt unterstreichen diese Bestimmungen die zunehmende Bedeutung eines strukturierten Energiemanagements und einer kontinuierlichen Verbesserung der Energieeffizienz beim Übergang zu einer nachhaltigeren, CO₂-armen Wirtschaft.